Carl Justi-Vereinigung zur Förderung der kunstwissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Spanien, Portugal und Iberoamerika


Internationale Tagung


Das kulturelle Erbe von al-Andalus und die Nationale Identität

Jahrestagung der Carl Justi-Vereinigung zur Förderung der kunstwissenschaftlichen Zusammenarbeit auf der Iberischen Halbinsel und in Iberoamerika

Berlin, Humboldt Universität, 27.-28. Oktober 2017


Organisatoren: Prof. Dr. Horst Bredekamp (Humboldt Universität Berlin), Prof. Dr. Francine Giese (Universität Zürich), Dr. Stefan Trinks (Humboldt Universität Berlin)
Keynote Speakers: Jerrilynn Dodds (Sarah Lawrence College, Bronxville/New York), Juan Calatrava Escobar (Universidad de Granada)

Die Unterscheidung zwischen eigener und fremder Kultur spielt eine zentrale Rolle in der Entstehung religiöser, ethnischer oder nationaler Identitäten, wie dies Bernd Roeck in seiner 2007 erschienen Einführung des IV Bandes der Reihe Cultural Exchange in Early Modern Europe. Forging European Identities, 1400-1700 aufgezeigt hat. Erst die Ausbildung einer Majoritäts- und die Abgrenzung dieser von einer Minoritätsgesellschaft ermöglichen die Identitätsbildung. Was aber geschieht bei einer multi-konfessionellen und multi-ethnischen Gesellschaft wie sie auf der Iberischen Halbinsel bis 1614 existiert hat? Kann das fremde Repertoire überhaupt vom eigenen getrennt werden oder ist es nicht viel eher Teil einer gemeinsamen kulturellen Realität geworden?

Die spanische Geschichte ist geprägt von Phasen der kulturellen Öffnung und Abschottung. Während Alfonso X. und Pedro I. durch ihre pro-islamische Kulturpolitik die Integration der Kunst und Architektur von al-Andalus ins nationale Narrativ förderten, wurde in der Gegenreformation die Inszenierung einer katholischen Einheitskultur zum zentralen Thema der Malerei, Skulptur und Architektur. Erst ab dem 18. Jahrhundert fand eine Re-Valorisierung des islamischen Erbes von al-Andalus statt, dessen Anteil an der Nationalen Identität Spaniens im 19. und 20. Jahrhundert vor dem Hintergrund wechselnder historischer und politischer Voraussetzungen kontrovers diskutiert wurde. Gleichzeitig bewarben zeitgenössische Architekten das maurische Revival und verhalfen der ibero-islamische Architektur zu ihrem globalen Durchbruch. Der Alhambrismo wurde nicht nur zu einem der beliebtesten Interieur-Stile des 19. Jahrhunderts sondern dominierte auch die ab 1851 regelmässig stattfindenden Weltausstellungen. Neben Spanien präsentierten sich auch Preussen (1867), Brasilien (1876) oder Mexico (1884) mit einem neo-maurischen Ausstellungspavillon.

Die diesjährige Jahrestagung der Carl Justi-Vereinigung will die Bedeutung von al-Andalus für die Nationale Identitätsbildung vom Mittelalter bis in die Gegenwart punktuell untersuchen. Erbeten werden Beiträge zu folgenden thematischen Schwerpunkten:

  • Austausch und Konfrontation während der Reconquista (1085-1492)
  • Inszenierungen einer katholischen Einheitskultur durch die Gegenreformation
  • Re-Valorisierung und historiographische Debatten im 18.-19. Jahrhundert
  • Franquismo und Nationale Erneuerung im 20.-21. Jahrhundert





Carl Justi-Vereinigung zur Förderung der kunstwissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Spanien, Portugal und Iberoamerika / Asociación Carl Justi para el fomento de la cooperación entre Alemania, España, Portugal e Iberoamérica en el campo de la Historia del Arte / Associação Carl Justi para fomento da cooperação a nível da ciência da arte com Portugal, Espanha e América Latina / Carl Justi Association  for the Promotion of Art Historical Cooperation  with Spain, Portugal and Ibero-America